Stellungsnahme: “Wir sagen Ja zu einer Kulturstadt Luzern”

Mrz 7th, 2009 | By bitxidenda | Category: culture, infos, lucerne, news, politix, society

Wir sagen Ja zu einer Kulturstadt Luzern. Zu einer Kulturstadt mit Freiräumen.

Eine Kulturstadt braucht breite und lebendige Kulturszenen, die widerspenstig, unreglementiert, kritisch, aufmüpfig und anarchisch sind. Diese Szenen machen den Nährboden des kulturellen Lebens aus. Für diese kulturelle Grundversorgung hat Luzern eine Verantwortung

Quelle: Kultur-Standort der Stadt Luzern

Kulturstadtmenschen haben ein Bedürfnis an Kultur, welche das Leben bereichert, die Stadt interessanter und spannender macht. Kultur hat eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe; Sie schafft Lebensqualität und Begegnungsorte und ist nicht zuletzt deshalb notwendige Instanz der Gesellschaftskritik. Darum stehen wir für nichtetablierte, unkonventionelle und vor allem nichtkommerzielle Formen des Kulturschaffens ein. Wir wollen Strukturen mit Freiräumen – inklusive der Freiheit vor der ökonomischen Verwertung. Daher stehen wir ein für ein Kulturzentrum, in dem nicht bloss das Kulturangebot alternativ ist, sondern eben auch die Strukturen und Konzepte einen Gegenpol zur etablierten Kultur darstellen.

Freie Kultur bedeutet für uns auch, dass stigmatisierten Rand- und Migrantengruppen Platz geboten wird, die anderswo bloss weiter an die Peripherie der Gesellschaft gedrängt werden. Anstatt Differenzsemantiken weiter zu verstärken, konnten Migrantengruppen unkompliziert und kostengünstig in der Boa veranstalten. Die Boa hat hier einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Integration ebendieser geleistet.

Weiter ist für uns Kultur mehr als der Konsum von kulturellen Gütern. Wir verstehen Kultur in ihrer Gesamtheit als ein Gradmesser für die Wertevorstellungen und Pluralität einer Gesellschaft. Damit diese Pluralität aber erhalten bleibt, braucht es widerständige Projekte, die andere Formen von Betriebsorganisation leben, als diese hierarchischen Management-Konzepte, die bereits in der Kultur Einzug halten.

Nicht erst seit der Schliessung der Boa ist der Luzerner „Kulturkompromiss“ - mensch erinnere sich an die Versprechungen der Stadt Luzern, was sie als „Ausgleich“ zum KKL anbieten wolle - aufgehoben. Die Forderung nach einem neuen autonomen/alternativen Kulturzentrum ist schon länger als seit dem definitiven Ende der Boa virulent und das Bedürfnis nach solchen Freiräumen wurde schon mehrmals eindrucksvoll unter Beweis gestellt (siehe zB hier). Doch die Kulturpolitik der Stadt Luzern setzt andere Prioritäten.

Mit dem Südpol erschuf die Stadt Luzern ein Kulturzentrum, welches den Bedürfnissen der echten, freien Kultur nicht entspricht. Starre, hierarchische Strukturen des Betriebs oder Fragen der Lohnstruktur sind da nur erste Hinweise dazu.

Die Stadt Luzern braucht einen wirklichen Ersatz für das Kulturzentrum Boa – ein basisdemokratisches Kulturhaus mitten in der Stadt – als ersten Schritt zum Beweis, dass sie überhaupt noch an einem „Kulturkompromiss“ – und dementsprechend dem Kulturfrieden in dieser Stadt interessiert ist.

Die Kreise der freien Kultur haben wohl in einer Organisationsstruktur wie der des Südpols keine Lust sich kreativ zu beteiligen und würden ihn als Ausgangs- und Kulturprojekt eher meiden solange die Stadt keinen reellen Ersatz für die Boa zulässt.

Wir sehen uns als Teil dieser hiesigen, freien Kultur. Dementsprechend sind wir nicht primär an einem Veranstaltungsort an sich und dessen (optionalen) ökonomischen und kulturellen Nutzen für uns als Verein interessiert.

Was nicht heissen soll, dass wir dazu aufrufen, in diesem Fall das Projekt Südpol zu ignorieren – Jedoch sehen wir uns im Moment ausser Stande, aktiv daran mitzuarbeiten oder uns anderweitig involvieren zu lassen. Schliesslich veranstalten wir auch nicht in einem KKL, sind aber – bei passender Veranstaltung – unter den Besuchern anzutreffen.

Ein weiteres Kind der kulturellen Fehlentwicklung der Stadt Luzern ist das Projekt einer Salle Modulable. Es ist vorauszusehen, dass der Betrieb dieses Hauses die EinwohnerInnen von Luzern jährlich mehrere Millionen kosten würde. Der geplante Bau beim Lido erweitert die Luxusmeile vom KKL über die 5-Sterne-Hotels am Quai bis zum Lido. Luzern würde vollends zum Hochglanz-Touristenort für die die Reichen und Möchtegernschönen der Welt werden.

Die Verantwortung liegt bei der Stadtverwaltung: Wir hoffen, dass nach ausgiebigen Worten auch endlich ernst zu nehmende Taten folgen werden. Ansonsten ist und bleibt die Kulturstandortbestimmung der Stadt Luzern eine Farce. Wir sind gespannt.

BITXES!

One comment
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  1. Ich auch: Kultur ist das Fleisch an den Knochen des Lebens.

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