Schau mir in die Augen, bevor du mich tötest!

Jan 4th, 2010 | By kaixo | Category: animals, food, infos, society

Schau mir in die Augen, bevor du mich tötest!

Die Fleischeslust überwinden — erst das macht uns zu besseren Menschen.

Jetzt gehen sie wieder in den Hirschen, den Ochsen und den Bären, um sich mit Tieren vollzustopfen. Je blutiger und lebendiger, desto besser. Vor der Schlachtplatte wähnen sie sich im Kampf und beweisen: Wir sind noch echte Kerle. Sie kommen so ins Schwitzen über Ringelschwänzchen und Leberwurst, dass sie beim tierischen Gelage am liebsten gleich noch ihren Speckbauch entblössen  und sich in New York mit Hamburgern vollstopfen.

Eine Sorte von Männern stellt sich gern als Karnivore dar und zelebriert die Inkorporation von Tieren geradezu. In Reiseberichten werden Hundeeintopf und Affenhirn zu kulinarischen Herausforderern, die man mutig besiegt hat. Wer sich vor solchen Szenarien graust, gilt schnell als unmännlich, als sensible Memme, die womöglich auch Latte Macchiato einem doppelten Espresso vorzieht.

Zeit, einem Tier wieder mal in die Augen zu schauen. Oder eines zu umarmen. Partei zu nehmen, in seinem Namen zu sprechen! Gerade jetzt, wo Rinder und Lämmer, Hirsche und Ziegen in Herden auf unseren Tellern landen, sollte sich jeder überlegen, warum er eigentlich Fleisch isst.
Ich habe mal ein Pferd aus dem Transportwagen wiehern gehört, er fuhr es in die Metzgerei, und das zurückbleibende Pferd im Stall wieherte ihm nach. Ich habe den Pulpo gesehen, der mit seinen Fangarmen an den Deckel der Pfanne schlug, in deren siedendes Wasser man ihn warf. Ich bin auf dem Fleischmarkt in Kuala Lumpur einer Katze begegnet, die in einem Vogelkäfig steckte und jämmerlich miaute.

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